Wieder einmal war es Erzherzog Johann, der als Urheber oder Gründer aufscheint. Im November 1811 überreichte er seine persönliche naturwissenschaftliche Sammlung in Form einer Schenkungsurkunde dem eigens dafür gegründeten Joanneum
Graz. Bis 1818 wurde Astronomie, Physik, Chemie, Botanik, Mineralogie sowie Technologie gelehrt, zudem in diesem Jahr auch Zoologie folgte. Als Lernende kamen Schüler des bereits bestehenden Lyzeum wie auch ab 1828 Studenten der
Karl-Franzens-Universität Graz.
Die Technische Universität Graz im Wandel der Zeit:
Eine der traditionsreichsten wissenschaftlichen Einrichtung ist die Technische Universität Graz. Knapp 200 Jahre steht diese im Mittelpunkt von Forschung und der Lehre im Dienste der Gesellschaft. Hervorragende Persönlichkeiten und deren Leistungen in Wissenschaft, Forschung und Anwendung sind der Garant für den hohen Erfolg dieser Universität mit ihrer wechselvollen Geschichte. Untrennbar mit der TU Graz sind die Namen verbunden, wie Otto Nußbaumer, Nikola Tesla, Ferdinand Wittenbauer, Anna-Lülja Praun, Herbert Eichholzer, Friedrich Schmiedl, Friedrich Mohs oder Hans List, ebenso wie Richard Zsigmondy, der Chemie-Nobelpreisträger 1926.
Die staatliche Übernahme der k.k. Technischen Hochschule Graz erfolgte 1874, im Jahr 1901 wird ihr das Promotionsrecht zuerkannt. Durch das Hochschul-Organisationsgesetz 1955 wird die Hochschule in drei Fakultäten aufgegliedert, 20 Jahre später in fünf und wird in Technische Universität Graz mit dem Beinamen Erzherzog-Johann-Universität umbenannt. 2004 erfolgt die Aufgliederung in sieben Fakultäten mit 104 Instituten und es wird die TU Graz eigenständige juristische Person öffentlichen Rechts, deren Leitung aus dem Rektorat, dem Senat und dem Universitätsrat besteht.
Heute tritt man mit dem Leitbild an die Öffentlichkeit, nach dem die Mission der TU Graz es ist, als bedeutender Knoten des internationalen technisch-naturwissenschaftlichen Forschungs- und Bildungsnetzwerkes verantwortungsvoll zur positiven Entwicklung unserer Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt beizutragen. Als Blick in die Zukunft will man als Gemeinschaft der Forschenden, Lehrenden, Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Alumnae und Alumni in einer Atmosphäre der intellektuellen Freiheit und Verantwortung arbeiten und bekennt sich zur Verbindung von Forschung und Lehre auf höchstem Niveau im weltweiten Wettbewerb vergleichbarer Einrichtungen.
Die Grundsätze zu dieser Vision sind, daß die Ergebnisse aus Forschung und Lehre ein wertvolles Gut sind, diese so effizient wie möglich schaffen und wirtschaftlich zu verwerten. Man bekennt sich zu Leistung und ihrer Evaluierung in einem inspirierenden Umfeld voller Kreativität mit gleichen Chancen für alle. Die Organisation ist im Bereich Forschung und Lehre so dezentral wie möglich und im Bereich Services und Zentralfunktionen so zentral wie nötig auszurichten.
Schaffen einer Atmosphäre der Zugehörigkeit, Partnerschaftlichkeit und Verbundenheit zur Technischen Universität Graz.
Aktive Kommunikation mit der Öffentlichkeit über die erreichten Leistungen und Verpflichtung im besonderen Maße der heimischen Region gegenüber.
Das war Erzherzog Johann:
Erzherzog Johann, geboren als Johann Babtist am 20. Jänner 1782 in Florenz, 13. Kind von Großherzog Leopold von Toskana (später Kaiser Leopold II.) und Maria Ludovica von Spanien, zeigte bereits als Jugendlicher viel Interesse an der Geschichte der Alpenländer ebenso an Militär- und Naturwissenschaften.
Die militärischen Interessen schwanden bald und Johann widmete sich vermehrt speziell der Steiermark und interessierte sich vermehrt für Natur und Landwirtschaft wie auch für die Technik, wurde Jäger und Alpinist und sammelte dabei Mineralien. Bei seinen Begegnungen mit der Bevölkerung entwickelte er eine regelrechte Volksverbundenheit, diese er mit dem Tragen einheimischer Tracht auch nach außen bekundete. Mit dem Steireranzug bekleidet zog er durch die Lande und sammelte und förderte er das geistige und materielle heimische Kulturgut (1822 wurde die „Erzherzog-Johann-Tracht“ in Wien verboten!).
Durch die Heirat 1829 mit der bürgerlichen Postmeisterstocher aus
Bad Aussee, Anna Plochl (1804 – 1885) verlor Johann die Thronfolge und seine Nachkommen durften keinen Adelstitel tragen. Franz (1839 - 1891), dem einzigen Kind aus dieser Ehe wurde 1845 der Titel „Graf von Meran“ zugestanden.
Die Gründung des Joanneums 1811 war nur eine von vielen Gründungen Erzherzog Johanns. So verdanken die Initiativen des „Steirischen Prinzen“ das Steiermärkische Landesarchiv, die Berg- und Hüttenmännischen Lehranstalt
Vordernberg (heute
Montanuniversität Leoben) oder auch die Wechselseitige Brandschadenversicherungsanstalt (heute Grazer Wechselseitige Versicherung) ihre Existenz, um nur einige davon zu nennen. Verewigt wurde Erzherzog in Form einer überlegensgroßen Statue am Brunnen auf dem Hauptplatz in
Graz und weit über die heimatlichen Grenzen hinaus mit dem um 1830 entstandenen Lied „Wo i geh’ und steh’“, besser bekannt unter „Erzherzog-Johann-Jodler“, der als die heimliche Steirische Landeshymne bis heute gilt.
In die Rolle eines Fabrikanten schlüpfte Erzherzog Johann durch den Erwerb der Blechfabrik und der Kohlegrube
Köflach. Mehr Freude hatte Johann bei der versuchten Erstbesteigung des
Großvenedigers und bei vielen Wanderungen und Bergtouren im ganzen Land. 1850 wurde Erzherzog Johann erster gewählter Bürgermeister von
Stainz. Nach seinem Tod am 11. Mai 1859 in seinem Grazer Palais wurde Johann im Mausoleum Graz beigesetzt und 10 Jahre später ins Mausoleum seines 1844 angekauften Schlosses Schenna bei Meran in Südtirol überführt.
Die Technische Universität Graz als Umweltschützer:
Abseits jedes Klischees des Pseudo-Umweltschutzes legt man in Graz angesichts der für Mensch und Umwelt schädlichen Emissionen und knapper
Energiereserven großen Wert darauf für die Jugend von morgen eine lebenswerte Umwelt zu schaffen und ist damit eine der zentralen Problemstellungen im neuen Jahrtausend. Gefragt sind hier innovative Lösungsmodelle mit globaler Reichweite. Die Technische Universität Graz nimmt diese große Herausforderung an.
Als handelnder Bote in der Lehre, als innovativer Entdecker und Optimierer in der Forschung und als praktizierendes Vorbild für gelebte Nachhaltigkeit treibt die TU Graz auf allen Ebenen den Dialog einer umweltverträglichen Entwicklung aktiv voran.
Als einer der Vorreiter der heimischen Wissenslandschaft legte die TU Graz erstmals einen eigenen „Nachhaltigkeitsbericht“ vor und folgt damit einer regelrechten Tradition. Gemeinsam mit der
Karl-Franzens-Universität bildet die Technische Universität Graz den Cluster „Nachhaltige Universitäten“.
Viele Forschungsprojekte mit Nachhaltigkeitscharakter im Bereich alternativer Heizmethoden über Abwasserreinigung bis hin zu alternativen Treibstoffen sind in Arbeit.
Die Technische Universität Graz umfaßt derzeit 7 Fakultäten:
Fakultät für Architektur:
Diese umfaßt zur Zeit zwölf Institute. Hier wird der Bogen zwischen Kunst und Technik gespannt. Das Studium an dieser Fakultät ist generalistisch ausgelegt und fördert durch den projektorientierten Unterricht eine ganzheitliche Arbeits- und Denkweise.
Fakultät für Bauingenieurwissenschaften:
Ist eine schon sehr alte Fakultät an der Universität Graz und existiert seit dem Jahr 1878 und umfaßt 17 Institute und ein Labor in den Arbeitsbereichen Konstruktiver Ingenieurbau, Verkehrswesen, Wasser und Umwelt, Gentechnik sowie Baubetrieb und Bauwirtschaft. Die Forschungsaktivitäten der Institute orientieren sich naturgemäß stark an der Praxis. Schwerpunkte der Forschung an der Fakultät liegen im Segment „Advanced Construction Technology and Innovative Geotechnical Engineering“.
Fakultät für Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften:
Ebenfalls eine der älteren Fakultäten an der TU Graz und an 19 Instituten werden über 400 Lehrveranstaltungen angeboten. Hervorragend ausgerüstete Labor kommen der Ausbildung und er Forschung sehr entgegen. Einer der Forschungsschwerpunkte liegt im Bereich der Kraftfahrzeugtechnik (virtuelle
Fahrzeugentwicklung, Akustik usw.).
Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik:
An 17 Instituten ist man hier federführend und richtungsweisend in Österreich in den Forschungsaktivitäten im bereich Elektrotechnik und Informationstechnik. Darüber hinaus kommt aus
Graz die Hochtechnologie für moderne Lokomotiven und auch an Bord von Weltraummissionen, im Wetterradar oder in der medizinischen Diagnosetechnik.
Fakultät für Technische Mathematik und Technische Physik:
Diese Fakultät gilt als bedeutendes Zentrum naturwissenschaftlicher Forschung und Lehre. Sie umfaßt derzeit 14 Institute mit punktuellen Schwerpunkten. Die Beteiligung an mehreren nationalen und internationalen Großprojekten liegt im großen Interesse der Fakultät ebenso wie die erkennungsorientierte und angewandte Forschung zur Heranbildung von Spitzenkräften der Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft.
Fakultät für Technische Chemie, Verfahrenstechnik und Biotechnologie:
In derzeit 16 Instituten befaßt man sich gezielt mit der technischen Umsetzung der Grundlagen der Chemie, Biochemie, Mikrobiologie, Anlagenbau sowie der Papier- und Zellstofftechnik. Die Grundlagenforschung ist praxisorientiert und umfaßt Bereiche der Materialwissenschaft, Umweltchemie, Gentechnik, Biotechnologie, Lebensmittelanalytik und Wirkstoffentwicklung vom Labor bis zur Verfahrensentwicklung. Die Absolventen dieser Fakultät sind wegen der umfassenden Ausbildung weltweit gefragte Mitarbeiter in der Industrie wie auch bei Forschungspartnern.
Fakultät für Informatik:
Derzeit gibt es hier 8 Institute. Als eine der jüngeren Fakultäten hinkt diese darob keineswegs den „Eingesessenen“ nach. Bereits mehr als 30 Firmen im Nahebereich Informatik wurden allein in der Steiermark von Absolventen und Mitarbeitern der Fakultät gegründet und beschäftigen mittlerweile über 1000 Mitarbeiter. Dies allein zeugt schon von der Klasse und Wichtigkeit dieser Fakultät. Computergrafik, Bildbearbeitung, Computersicherheit, Netzwerke, Multimedia oder Datenbanken sind nur als wenige der vielen Schlagwörter genannt, die mit der stark expandierenden Fakultät in Zusammenhang gebracht werden können.
Außenstelle Rottenmann:
Als interessante Konstellation hat sich das seit dem Jahr 2000 als Außenstelle betriebene
Universitätszentrum Rottenmann herausgestellt. Gemeinsam mit der
Johannes Kepler Universität Linz werden in
Rottenmann in der Obersteiermark ganz besonders interessante Studienrichtungen angeboten.
Die Technische Universität Graz ist eine von 6
Universitäten in der Steiermark und eine von 34
Universitäten in Österreich.