Nach dem heutigen Leitbild der Universität Graz versteht sich diese als naturwissenschaftliche, gesellschafts- sowie sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Universität, die im Kanon mit den übrigen Bildungsinstitutionen, insbesondere den vier Grazer Universitäten, eine entsprechende Positionierung am Standort
Graz gewährleistet. Doch bis es soweit kam, mußte viel in der Vergangenheit geschehen.
Von einst und jetzt:
Die Karl-Franzens-Universität Graz ist in der Steiermark die größte Universität und gilt als zweitälteste in Österreich mit einem Gründungsjahr von 1585. Die Patronanz für den Namen Karl-Franzens-Universität geht auf Erzherzog Karl II. von Innerösterreich und Franz Joseph Karl von Habsburg-Lothringen (1768-1835), bekannt als Franz II., der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wie auch als 1. Kaiser von Österreich als Franz I. zurück.
Kaiser Karl II. von Innerösterreich (1540 – 1590) war bedeutender Förderer von Wissenschaft und Kunst und gründete 1585 die Universität Graz. Sein Mausoleum im obersteirischen Seckau ist eines der bedeutendsten frühbarocken Bauwerke im Südostalpenraum und wurde zwischen 1587 und 1612 von Alessandro de Verda erbaut, von Sebastiano Carlone vollendet und ausgestaltet.
1773 wurde die Universität Graz vom Staat übernommen und war vorrangig auf die Ausbildung und Heranziehung von „Staatsdienern“ durch die Vermittlung praktisch verwertbarer Kenntnisse ausgerichtet.
1778 wurde die Karl-Franzens-Universität Graz um eine Juridische Fakultät erweitert und 1782 zum Lyzeum umgewandelt sowie das medizinisch-chirurgische Studium eingerichtet. Als Lyzeum ist Einrichtung zu verstehen, die für theologische und philosophische Studien mit akademischen Rang eingerichtet, an das Gymnasium folgte, ähnlich der heutigen Funktion einer Fakultät an einer Universität. Hier wurden vorzugsweise zukünftige Priester wissenschaftlich ausgebildet. Lyzeen waren bei eher geringen Selbstverwaltungsrechten stark der Studien-, Prüfungs- und Disziplinarordnung unterworfen. Erst zwischen 1966 und 1978 wurde das Lyzeum gänzlich abgeschafft und generell von allen Hochschulen abgebaut und als katholisch-theologische Fakultäten und Fachbereiche in Gesamthochschulen eingegliedert.
In Graz wurde bereits 1827 die Universität durch Kaiser Franz II./I. wiedererrichtet und als Karl-Franzens-Universität betitelt, 1848 die Lehr- und Lernfreiheit im Zuge der Universitätsreform Wilhelm von Humboldts eingeführt.
1863 beginnt die an der Universität Graz die Epoche der Volluniversität, die Medizinische Fakultät wird gegründet. 1870 wir mit dem Neubau begonnen, der 1895 mit dem Hauptgebäude am heutigen Standort eröffnet wird.
Als Träger der Wissenschaft entwickelte sich eine starke Hochschulautonomie deren Grundstruktur bis 1975 in den wesentlichen Strukturen erhalten blieb, nur durch die Zeit zwischen 1938 und 1945 unterbrochen. 1938 kommt es zur Entlassung und Vertreibung von Lehrenden und Studenten aus „rassischen, politischen und religiösen“ Gründen, darunter einige Nobelpreisträger.
Seit 1985 gilt die Leechkirche als Universitätskirche.
Mit über 32000 Studierenden erreicht die Karl-Franzens-Universität Graz 1999 ihren Höchststand der Anzahl ihrer Hörer, 2004 wird die Medizinische Fakultät ausgegliedert und wird zur eigenen Universität.
Nobelpreisträger aus der Universität Graz:
Walther Nernst (1864 – 1941), Chemie 1920
Fritz Pregl (1869 – 1930), Chemie 1923
Julius Wagner von Jauregg (1857 – 1940), Medizin 1927
Erwin Schrödinger (1887 – 1961), Physik 1933
Otto Loewi (1873 – 1961), Medizin 1936
Victor Franz Hess (1883 – 1964), Physik 1936
Karl von Frisch (1886 – 1982), Medizin 1973
Die Reihe namhafter Forscher in direktem Zusammenhang mit der Universität Graz ist nahezu unüberschaubar. Namen wie der des Physikers Ludwig Boltzmann, Hans Groß im Bereich der Kriminalogie oder Alfred Wegener mit der Kontinentalverschiebungstheorie oder auch der Komponist Ludwig Rochlitzer seien stellvertretend für alle anderen angeführt.
Was bietet die Universität Graz?
Die Karl-Franzens-Universität Graz bietet eine breite Palette von Lehrveranstaltungen an. Das sind im Studienjahr 2007/08 im Bachelorstudium 24, im Masterstudium 34, der Diplomstudium-Bereich umfaßt 65 Studienrichtungen mit Untergruppen, 19 Lehramtsstudien, 5 Doktoratsstudien und 1 Universitätslehrgang.
Die Montagsakademie:
Unter dem Titel „Bildung für alle“ wurde 2002 die „Montagsakademie“ ins Lebengerufen. Bereits weit über 26000 Interessierte folgte diesem Ruf und erfreut sich wachsender Beliebtheit, ist ja das Grundmotto der Montagsakademie „Bildung für alle durch allgemein verständliche Wissenschaft“. Jeder interessierte Erwachsene, egal ob er, basierend der Schulbildung, ein Universitätsstudium absolvieren darf oder nicht, kann das Angebot der Montagsakademie kostenfrei in Anspruch nehmen.
Durch den Einsatz modernster Kommunikationstechnologien entstehen dabei innovative Partnerschaften zwischen der Universität Graz und verschiedenen Regionen. Seit Oktober 2002 wurden in 67 Vorträgen und 17 Diskussionsabenden mehr als 26000 Teilnehmer gezählt. Mittels Videokonferenzen wurden bisher an die 30 Vorträge in die Steiermark und nach Salzburg übertragen.
Sieht man sich das laufende Programm an, hat man keinen Zweifel an der Vielfalt der Erwachsenenbildung und reicht vom Bereich Menschenrechte über die Evolution des Menschen bis hin zur Frage, warum unseren alten, regionalen Gemüsesorten die Zukunft gehört.
Die Forschung an der Universität Graz:
Der Bereich Forschung wird an der Karl-Franzens-Universität Graz groß geschrieben und nimmt eine ganz besondere Position ein. Als definierte Stätte der Wissenschaft bündelt die Karl-Franzens-Universität Graz Spitzenforschung auf höchstem, internationalen Niveau in unzähligen Projekten und Kooperationen. Die 5 Exzellenz-Netzwerke des EU-Rahmenprogramms spielen für die Universität Graz als starke Partnerin eine sehr wichtige Rolle, ebenso wie die Koordination von nationalen Forschungsnetzwerken.
Universitätsentwicklung:
Seit mehreren Jahren schon beschäftigt man sich in Graz intensiv mit dem Thema Universitätsentwicklung und dazu wurden die Grundlagen in einem umfassenden Stragegieprozess gelegt. Auf den Ergebnissen dieser Grundlagen baut die „Strategie 2010“ auf und ergänzt diese durch neue Impulse. Die Umsetzung erfolgt extern im Rahmen einer Leistungsvereinbarung und intern über die Zielvereinbarung. Erste, auf Freiwilligkeit basierende, Erfahrungen konnten bereits aus den Jahren 2002 bis 2004 gesammelt werden.
Und die Zukunft an der Karl-Franzens-Universität Graz?
Für die Zukunft hat sich die Karl-Franzens-Universität Graz viel vorgenommen. Es wurde die „Strategie 2010 – Forschung und Wissenstransfer“ definiert und festgehalten. Besonderes Augenmerk legt man dabei auf die Nachwuchsförderung durch gezielte Verbesserung der Unterstützung junger Wissenschafter sowie in Kooperation mit der Universität Unternehmensgründungen forciert. Für diese kühnen Umsetzungen werden Leistungsprofile als Grundlage für inter- und transdisziplinären Wissensaustausch entwickelt.
Universitätspartnerschaften der Karl-Franzens-Universität Graz:
Albanien, Universität Shkoder
Bosnien-Herzegowina, Universität Sarajevo
Deutschland, Universität Leipzig
Frankreich, Universität Poitiers
Italien, Universität Triest
Japan, University of Hiroshima
Kanada, University of Waterloo
Kroatien, Universität Zagreb
Polen, Universität Wroclaw und Schlesische Universität Katowice
Serbien, Universität Belgrad und Universität Novi Sad
Slowakei, Comenius Universität Bratislava
Slowenien, Universität Ljubljana und Universität Maribor
Tschechien, Palacky Universität Olomouc
Ungarn, Universität Pecs
USA, University of Minnesota at Minneapolis und University of Arkansas at Little Rock
VR China, Universität Wuhan
Die Karl-Franzens-Universität Graz ist eine von 6
Universitäten in der Steiermark und eine von 34
Universitäten in Österreich.