Atzenbrugg ist eine Marktgemeinde auf 186 Metern Seehöhe im
Bezirk Tulln in Niederösterreich. Die Marktgemeinde Atzenbrugg hat rund
2.600 Einwohner und liegt im Perschlingtal am Übergang in das Tullnerfeld, etwa 10 Kilometer von der Bezirkshauptstadt Tulln entfernt. Die Marktgemeinde Atzenbrugg gliedert sich
in die Katastralgemeinden Atzenbrugg, Ebersdorf, Heiligeneich, Hütteldorf, Moosbierbaum, Tautendorf, Trasdorf, Watzendorf und Weinzierl.
Auszug aus der Geschichte von Atzenbrugg:
Seinen Namen hat Atzenbrugg, das schon zur Karolingerzeit besiedelt war, der Geschichte nach vom Kuenringer Azzo, der Anfang des 12. Jahrhunderts die erste Brücke über die damals noch „reißende“
Perschling gebaut haben soll, was auch der Name „Acinprukke“ aus den Klosterneuburger Quellen andeutet. Im 13. Jahrhundert bezeichnete sich das herrschende Adelsgeschlecht erstmals als
„Atzenbrugger“.
1379 wurden der künstlich aufgeschüttete Hügel mit der Burg sowie der am Fuß des Hügels gelegene Meierhof an das Stift Klosterneuburg verkauft, in dessen Besitz es bis 1939 blieb. Im Spätmittelalter,
als die Burg schon dem Verfall nahe war, wurde unweit des Meierhofes das noch heute vorhandende Schloss errichtet, in dem in den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts der bedeutende Komponist Franz
Schubert mit seinem Freundeskreis einige Sommer verbrachte und dem Schloss den bis heute gültigen Beinamen „Schubertschloss“ gab.
Von den zahlreichen Kriegshandlungen und Auseinandersetzungen, die Österreich über die Jahrhunderte heimsuchten, war das Gebiet von Atzenbrugg vor allem von den beiden Türkenkriegen, den
napoleonischen Kriegen sowie dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg unmittelbar betroffen. Am schwersten traf der Zweite Weltkrieg den Ortsteil Moosbierbaum, wo sich bis 1945 das Hydrierwerk, ein
chemischer Betrieb, befand.
Dort wurden aus dem nahegelegenen Arbeitserziehungslager, das von Juli bis Oktober 1944 bestand, unzählige Zwangsarbeiter eingesetzt. Während der zwölf feindlichen Luftangriffe fielen auf das Gebiet
über 3000 Bomben, wobei der Großteil auf das Fabriksgelände gerichtet waren und beträchtliche Schäden verursachten.
Atzenbrugg und die „Schubertianer“:
Die wohl bedeutendste Sehenswürdigkeit der Marktgemeinde Atzenbrugg ist das Schloss, das im Spätmittelalter errichtet wurde und durch die Aufenthalte von Franz Schubert, einem der wichtigsten und
bekanntesten Komponisten Österreichs, in Jahren 1820-1828 über die Grenzen hinaus bekannt wurde.
Josef Derffel, der Onkel von Schuberts Freund Franz von Schober und seines Zeichens zu der Zeit Verwalter im Schloss, ist nicht ganz unschuldig daran, dass Schubert mit seinen Freunden nach
Atzenbrugg kam. Er lud den Komponisten einfach zur Sommerfrische an seinem Arbeitsplatz ein.
Dass sich Schubert und seine ebenfalls künstlerisch begabten Freunde müssen sich allem Anschein nach sehr wohl im Schloss zu Atzenbrugg gefühlt haben. Ansonsten hätte Schubert selbst wohl kaum die
„Atzenbrugger Deutsche“ komponiert, die 1821 erstmals aufgeführt wurde.
Und seine Maler-Freunde verewigten Atzenbrugg in zahlreichen Bildern. Zu diesem Freundeskreis, der über die Jahre immer größer wurde, zählten unter anderem der Philosoph. Lyriker und Essayist Ernst
Freiherr von Feuchtersleben, der Maler Leopold Kupelwieser, der Lustspiel- und Bauerndichter Bauernfeld sowie der Opernbariton Vogl. Sie und alle anderen „Schubertianer“ repräsentierten zu dieser
Zeit das geistige Wien. Hauptaktivitäten der illustren Runde waren gemeinsames Musizieren, Gesellschaftspiele oder Ausflüge in der näheren Umgebung.
Heute findet im Schloss Atzenbrugg zu Ehren des berühmten Sommerfrischlers die alljährliche „Schubertiade“ statt, bei der in den Monaten Mai, Juni und September berühmte und bekannte Künstler der
klassischen Musik auftreten. Darüber hinaus befindet sich im Schloss, das unter anderem auch mehrere kunsthistorische Kostbarkeiten wie zB barocke Stuckdecken aufzuweisen hat, ein Museum mit über 250
Ausstellungsobjekten, das Franz Schubert und seinem Freundeskreis gewidmet ist. Das Niederösterreichische Volkskulturzentrum ist im Seitentrakt des Schlosses untergebracht.
Freizeitmöglichkeiten in und um Atzenbrugg:
Insbesondere für Sportbegeisterte bietet Atzenbrugg eine Vielzahl an Betätigungsmöglichkeiten. Von Golf über Radfahren, Wandern, Fußball, Tennis bis hin zum Badespaß spannt sich der Bogen und sollte
für jeden etwas im Angebot haben. Der Golf- und Freizeitpark Tullnerfeld bietet zwei 18-Loch-Anlagen für die „Philosophen“ unter den Sportlern.
Für Familien, Rad- und Wanderfreunde gibt es rund um Atzenbrugg mehrere gut beschilderte und markierte Wege. Besonders interessant ist der „Franz-Schubert-Radweg“, der von Traismauer an der Donau
durch Atzenbrugg hindurch nach Tulln führt und dort wieder in den Donauradweg einmündet. Wer gern auf Schusters Rappen die Gemeinde Atzenbrugg erkunden will, kann (oder darf) sich zwischen drei
unterschiedlichen, gut beschilderten Wanderwegen entscheiden, die alle von der Dorferneuerungsgesellschaft errichtet wurden.
Am Sportgelände im Atzbrugger Ortsteil Heiligeneich finden Sportler mehrere Fußball- und Tennisplätze, die auch von den Sportvereinen der Gegend für Trainings- und Meisterschaftsspiele genutzt
werden. Darüber hinaus beherbergt das Sportzentrum auch den Kindergarten sowie die Vereinsheime der ortsansässigen Pfandfindergruppe und der Blasmusik Heiligeneich.
Wasserratten und Erholungssuchende sind in der Badeteichanlage im Ortsteil Trasdorf goldrichtig. Für das allgemeine Wohlbefinden der Besucher sorgen eine bequeme Liegewiese, ein
Beach-Volleyball-Platz sowie ein bestens ausgestatteter Büffetbetrieb.
Atzenbrugg und die weite Welt:
Die Marktgemeinde Atzenbrugg hat mehrere Partnergemeinden. Im Detail sind dies die Marktgemeinde
Königstetten am Rande des
Wienerwaldes (NÖ), die Gemeinde
St. Peter im Sulmtal in der Steiermark sowie die Gemeinde Jezowe in Polen.