Bernhardsthal ist eine Marktgemeinde mit etwa 1.700 Einwohnern im österreichischen Bundesland Niederösterreich im
Bezirk Mistelbach. Die
Gemeinde Bernhardsthal ist die nordöstlichste Gemeinde Österreichs und liegt unweit der tschechischen Grenze auf 166 Metern Seehöhe im Weinviertler Dreiländereck. In Reintal befindet sich ein
Übergang nach Tschechien.
Aus der Geschichte von Bernhardsthal:
Die ersten Besiedelungen in der Gegend des heutigen Bernhardsthal sind bereits aus der Bronzezeit bekannt und durch Ausgrabungen dokumentiert. Auch in der Hallstattzeit gab es im Gebiet eine
Siedlung, was die in der Nähe entdeckten Tumuli (illyrische Hügelgräber) eindrucksvoll belegen. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde Bernhardsthal im Jahre 1171.
In der nachfolgenden Zeit wechselte es mehrmals den Besitzer, ehe es von 1470 bis ins 19. Jahrhundert dauerhaft in den Besitz der Herren von Liechtenstein gelang. 1307 wurde Bernhardsthal das
Marktrecht verliehen, das dem Ort aber im 18. Jahrhundert wieder entzogen und erst 1938 wieder zuerkannt wurde. Seinen Namen erhielt Bernhardsthal vermutlich vom hl. Bernhardus, der auch heute noch
der Schutzpatron der Kirche in Bernhardsthal ist.
Es gab aber auch leidvolle Tage in der Geschichte von Bernhardsthal: einer der wichtigsten Handelswege aus der Römerzeit, die Bernsteinstraße, führte direkt an der alten Siedlung vorbei und brachte
zum einen Handwerker in die vorwiegend bäuerliche Bevölkerung, zum anderen zog es aber auch kriegerische Völker an. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wurde Bernhardsthal von Seuchen,
marodierenden Raubrittern und den feindlichen schwedischen Truppen arg in Mitleidenschaft gezogen.
Im 19. Jahrhundert erlebte Bernhardsthal durch den Bau der Kaiser-Ferdinand-Nordbahn einen ersten wirtschaftlichen und touristischen Aufschwung. In der Folge wuchs die Bevölkerungszahl kontinuierlich
und das Ortsbild wurde nach und nach verändert. So wurden unter anderem die drei bis dahin prägenden Teiche (Oberer Teich, Kesselteich, Großer Teich) trockengelegt. Im 20. Jahrhundert begann
allerdings die allgemeine Rezession auch in Bernhardsthal zu greifen. Wirtschaftsbetriebe siedelten sich an, nur um sich wenig später wieder zurückzuziehen und den Großteil der arbeitenden
Bevölkerung von Bernhardsthal nach Wien pendeln zu lassen.
Sehenswürdigkeiten in und um Bernhardsthal:
Die wohl größte Attraktion der Gemeinde Bernhardsthal ist mit Sicherheit der Landschaftsteich, der mit einer Wasserfläche von 25 ha die größte Wasserfläche des Weinviertels darstellt. Zur
Besonderheit wurde der Teich auch dadurch, dass er von einer Eisenbahnziegelbrücke regelrecht geteilt wird. Diese Brücke, im übrigen das älteste erhaltene Bahnbauwerk Österreichs, ist Teil der
Kaiser-Ferdinand-Nordbahn und wurde 1839 von niemand Geringerem als Karl Ritter von Ghega erbaut, jenem Mann also, der auch für das über die Grenzen von Österreich hinaus bekannte Eisenbahn-Viadukt
am Semmering verantwortlich zeichnete. Heute bietet der Landschaftsteich im Sommer wie im Winter zahlreiche Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen.
Eine weitere Sehenswürdigkeit stellen die Tumuli dar. Unter Tumuli versteht man hügelförmig angelegte Königsgräber der Illyrer aus der Hallstattzeit (ca. 600 v.Chr.), die zumeist mit reichen
Grabbeigaben versehen waren. Drei solcher Gräber wurden zwischen Rabensburg und Bernhardsthal entdeckt, zwei weitere in einem Gebiet östlich der Bahnstrecke. Die Hügel haben einen Durchmesser von
20-30 m und eine Höhe von 3,5-4 Metern.
Darüber hinaus untersuchten Archäologen auch noch ein germanisches Gehöft (1.-3. Jahrhundert n.Chr.) und ein römisches Marschlager (2. Jahrhundert n.Chr.) Außerdem wurde in einem Grab ein
gleicharmiges Bleikreuzchen aus der Zeit um 850 n.Chr. gefunden, was über das Wirken eines bairischen Missionars in der Gegend von Bernhardsthal Zeugnis ablegt.
Empfehlenswert sind außerdem noch das Rathaus, der Meierhof, die romanische Kirche von Bernhardsthal aus dem 12. Jahrhundert, das Kloster St. Martha sowie das Otto Berger Heimatmuseum, das mit
unzähligen Fundstücken die mehr als 4000jährige Siedlungsgeschichte des Ortes Bernhardsthal beeindruckend dokumentiert.
Ausflugsziele in der Nähe von Bernhardsthal:
Ein ideales Ausflugsziel für Naturliebhaber und Spaziergänger ist der Föhrenwald, unweit der Gemeinde. Der an der Thaya gelegene Auwald ist im Besitz der Stiftung Fürst Liechtenstein. Er ist ein
Mischwald aus unterschiedlichsten Baumarten, hervorstechend ist dabei allerdings die namensgebende Föhre. Darüber hinaus wird er durch die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zu einem arten- und auch
lehrreichen Naturgebiet. Für die Gourmets unter den Naturliebhabern bietet sich im Föhrenwald die Gelegenheit, heimische Pilzarten wie Parasol und Champignon sowie Brombeeren zu sammeln und zu den
unterschiedlichsten Gerichten zu verarbeiten. Außerdem darf in der Thaya, die den Grenzfluss zu Tschechien bildet, auch gefischt werden. Im Ortsteil Katzelsdorf erwartet eine im neugotischen Stil in
den Jahren 1905-1908 erbaute und dem hl. Bartholomäus geweihte Kirche die Besucher.
Durch die EU-Osterweiterung wird nun auch wieder verstärkt das Augenmerk auf den Radtourismus gelenkt. Von Bernhardsthal aus kann man gemütliche Radtouren zu den auf tschechischer Seite gelegenen
Schlössern und Burgen des Hauses Liechtenstein unternehmen.