Bad Großpertholz ist eine Marktgemeinde mit rund 1.600 Einwohnern und liegt im Nordwesten des Waldviertels im niederösterreichischen
Bezirk Gmünd
auf einer Seehöhe von 714 Metern. Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 82,4 Quadratkilometern. Bad Großpertholz besteht aus 10 Katastralgemeinden und selbständigen Dörfern.
Geschichtliches über Bad Großpertholz:
Gelegen im österreichischen Kernland Niederösterreich, erlebte Bad Großpertholz viele Ereignisse in der wechselvollen Geschichte der heutigen Republik hautnah mit. Gegründet wurde Bad Großpertholz
Mitte des 12. Jahrhunderts von Berthold von Stiefern-Arnstein, der auch eine erste Befestigungsanlage für die bereits bestehende Siedlung errichtete. Diese Wehranlage wurde im 17. Jahrhundert zum
Schloss ausgebaut. In derselben Zeitspanne erfuhr Bad Großpertholz durch die Glashütten der Umgebung einen ersten wirtschaftlichen Aufschwung, der durch den Vertrieb von Produkten der damals
weitverbreiteten Hausweberei sowie in weiterer Folge durch den Ausbau der Holzverarbeitung im 19. Jahrhundert noch verstärkt wurde. 1902, kurz nach der Jahrhundertwende, wurde der südliche Zweig der
Waldviertler Schmalspurbahn auf der Strecke von
Gmünd nach Steinbach-Großpertholz in Betrieb genommen, im Jahr darauf ein weiteres
Teilstück bis
Groß Gerungs.
Das Ende des Zweiten Weltkrieges läutete auch das langsame Abebben der Holzindustrie ein, was durch die seit dem Ende des Ersten Weltkrieges herrschende Grenzlage noch verschärft wurde. Dies führte
dazu, dass bis heute die Einwohnerzahlen kontinuierlich zurückgehen, wobei die Stadtväter hoffen, dass durch die EU-Osterweiterung hier ein Umkehrschwung herbeigeführt wird. Ein weiterer Faktor dafür
sollte das sich seit 1964 in Betrieb befindliche Moorbad sein, das der Marktgemeinde im Jahre 1983 die heutige offizielle Bezeichnung Bad Großpertholz einbrachte.
Der Kurbetrieb in Bad Großpertholz:
Vor über 150 Jahren wurde die heilende Kraft des Moors entdeckt. Das Moor, das heute noch wie anno dazumal mit der Hand gestochen wird, stammt aus den Eiszeiten und wird auch gerne als „die schwarzen
Daunen“ bezeichnet. Im heutigen Kurhotel von Bad Großpertholz, das sich mit vier Sternen schmücken darf, wird das Heilmoor in unterschiedlicher Form eingesetzt. Das Großpertholzer Heilmoor wird
besonders empfohlen bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Nachbehandlung von Verletzungs- und Operationsfolgen, degenerative Gelenkserkrankungen, Weichteilrheumatismus, Spondylose und
Osteochondrose der Wirbelsäule, Osteoporose, Stressfolgen und Zivilisationsschäden, Nachbehandlung bei orthopädischen Operationen sowie posttraumatische Gelenks-, Knochen-, Muskel- und
Sehenschädigungen.
Auf der Spur der Natur in Bad Großpertholz:
Gleich in der Nähe des Moorbades können Naturinteressierte das reichhaltige Angebot an Wildkräutern im nördlichen Weinviertel näher kennenlernen. Vom Hotel aus führt ein Wildkräuterlehrpfad über 2,7
km durch die Natur und stellt mit Hilfe von Schautafeln, auf denen man die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der jeweiligen Pflanze sehen kann, insgesamt 38 verschiedene Wildkräuter vor. Die
Palette reicht vom Johanniskraut über die Schafgarbe bis hin zum Sauerklee, wobei sowohl die Verwendung als Heilpflanze als auch die Anwendung in der Küche beschrieben und die typischen Merkmale des
Krauts angeführt werden. Als besonderes Service wurden die Schautafeln sowohl in deutscher als auch in tschechischer Sprache verfasst. Alles in allem ein lohnenswertes Ausflugsziel für Groß und
Klein.
Weitere Ausflugsziele in und um Bad Großpertholz:
Wer auf den Spuren der Geschichte der Region wandern will, für den bieten sich gleich zwei Möglichkeiten. Die volkskundliche Entwicklung der Gegend wird im Heimatmuseum veranschaulicht, das auf eine
Initiative des Altbürgermeisters von Bad Großpertholz, Herren Josef Koppensteiner, zurückgeht und heute eine stattliche Anzahl an Objekten beherbergt. Neben Haushalts- und Arbeitsgeräten
aus der Landwirtschaft, Meisterwerken der Glasbläser sowie Exponaten aus der religiösen Volkskunst widmet sich das Museum auch der Flachsverarbeitung und zeigt die größte Flechtensammlung
Österreichs.
Der Entwicklungsgeschichte des über Jahrhunderte wohl wichtigsten Industriezweiges der Region rund um Bad Großpertholz widmet sich das Holzhacker- und Holztriftmuseum im Ortsteil Karlstift.
Aufgeteilt auf zwei Räume, zeigen über 400 Exponate die historische Entwicklung der diversen im Forstbetrieb eingesetzten Werkzeuge. Ein anderer Teil lässt noch einmal die Holztrift von Bad
Großpertholz hinunter zur Donau Revue passieren, ein nicht immer ungefährliches Unterfangen. Nicht nur für Kinder und Jugendliche interessant dürfte darüber hinaus auch die Holzlehrschau sein, in der
heimische Holzarten mit Stammquerschnitten sowie Rindenproben den Besuchern vorgestellt werden.
Ein weiteres Highlight der Region ist die letzte Hadem-Papiermühle Europas, ganz in der Nähe von Bad Großpertholz. Dort wird feinstes Büttenpapier noch auf die gleiche Art hergestellt wie vor
Hunderten von Jahren – nämlich von Hand. Interessierte können es sogar selbst versuchen und sich ihren eigenen Bogen Büttenpapier schöpfen.
Eisenbahnfreunde und Nostalgiker sind mit einer Fahrt mit der Waldviertler Schmalspurbahn bestens beraten. Auf der Strecke zwischen Gmünd und Groß Gerungs bringen die gut erhaltenen Dampfloks
den Zauber alter Zeiten zurück und versetzen die Reisenden in jenen Teil der Geschichte, als man noch mit der Dampfeisenbahn auf Sommerfrische fuhr.
Besonders hervorzuheben ist dabei jener Streckenabschnitt, den Kenner auch als „Waldviertler Semmering" bezeichnen. Zwei Tunnels und mehrere Viadukte führen die Besucher vorbei an monumental
wirkenden Granitblöcken, wobei die Bahn die mitteleuropäische Wasserscheide zwischen Donau und Moldau überquert.
Der Naturpark Nordwald Großpertholz:
Gelegen in den Ortsteilen Scheiben und Karlstift, lädt der Park die ganze Familie dazu ein, die Natur auf zum Teil spielerische Weise kennen zu lernen und zu erleben. Ein reichhaltiges Angebot an
Betätigungs- und Unternehmungsmöglichkeiten wird im ganzen Gebiet des Naturparks von Bad Großpertholz geboten. Dazu gehören mehrere Tiergehege, Spielplätze, Grillstellen und großzügig angelegte
Wanderwege ebenso wie das Holzmuseum und das Hochmoor „Große Haide“.