Neckermann-Mitarbeiter hoffen
Das Hoffen bei den Neckermann-Beschäftigten in Deutschland geht weiter. Nach Angaben des Managements haben sich erste Interessenten für den zahlungsunfähigen Versandhändler gemeldet. Außerdem soll der Versand der bestellten Produkte spätestens ab kommender Woche wieder planmäßig erfolgen. Nach dem ersten Treffen mit den Insolvenzverwaltern zeigten sich auch Arbeitnehmervertreter optimistisch.
Die erfolgreiche Suche nach einem Investor sei eines der wichtigsten Ziele für den Erhalt des Unternehmens, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Frege am Freitagabend in einer Mitteilung. "Diesen Prozess treiben wir aktiv voran."
Nach dem ersten Treffen zeigten sich auch Arbeitnehmervertreter des Frankfurter Versandhändlers optimistisch. "Die Insolvenzverwalter haben einen sehr seriösen Eindruck hinterlassen", sagte Bernhard Schiederig von der Gewerkschaft Verdi. Die Mitarbeiter seien zuversichtlich, dass die Rechtsanwälte Michael Frege und Joachim Kühne alles für den Erhalt des Standorts tun werden. Beide hätten allerdings betont, dass sie keinerlei Versprechungen machen könnten.
Die jüngsten Entwicklungen bei Neckermann haben der "Wirtschaftswoche" zufolge auch die Neckermann-Familie überrascht. Die "Nachricht schockt mich", teilte Johannes Neckermann, Sohn des 1992 verstorbenen Unternehmensgründers Josef Neckermann, dem Blatt mit. "Wir wussten zwar, dass die Situation bei Neckermann kritisch ist, mit einer Aufgabe habe ich aber ganz und gar nicht gerechnet", erklärte Neckermann, der in den 1970er-Jahren in der Geschäftsführung des Versandhauses tätig war. Die Neckermann-Familie hatte das Unternehmen 1977 an Karstadt verkauft, später übernahm der US-Finanzinvestor Sun Capital Neckermann.
In den kommenden Wochen wird sich entscheiden, ob es bei dem zahlungsunfähigen Versandhändler weitergeht und wie eine Sanierung ablaufen könnte. Einzelne Unternehmensbereiche wie der Möbelverkauf oder der Vertrieb von Technikprodukten gelten noch immer als profitabel. Die Neckermann.de GmbH hatte am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt, nachdem der Eigentümer Sun Capital den Geldhahn zugedreht hatte. In Deutschland stehen nach letzten Angaben des Unternehmens etwa 2250 Jobs an den Standorten Frankfurt und Heideloh in Sachsen-Anhalt auf dem Spiel.
Die Betriebsräte von Neckermann Österreich sollen laut einem Bericht des "Standard" (Samstagsausgabe) am kommenden Dienstag über das Schicksal des pleitegegangenen Versandhändlers informiert werden. Laut dem Blatt teilte der Vorstand am Freitag den Lieferanten per Brief mit, dass "die Unternehmensführung bis auf weiteres auf Insolvenzgestion" umgestellt werde. Verbindlichkeiten würden "zumindest vorläufig nicht mehr bedient werden". Von den 300 Neckermann-Mitarbeiten arbeiten 100 in der Logistik. Es könne schwierig werden, diese auf dem Grazer Arbeitsmarkt unterzubringen, zitiert die Zeitung einen AMS-Sprecher.
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