Mehrere Hunde eignen sich nur für geübte Halter

News vom Donnerstag, 2. September 2010
Hunde zählen zu den beliebtesten Haustieren. Doch immer mehr Tierfreunde geben sich mit einem Exemplar dieser Gattung nicht mehr zufrieden. So geht der Trend zum Zweit- oder sogar Dritthund. Doch viele ahnen nicht, was damit auf sie zukommt und sind mit der Haltung schnell überfordert.

Hunde zählen zu den beliebtesten Haustieren. Doch immer mehr Tierfreunde geben sich mit einem Exemplar dieser Gattung nicht mehr zufrieden. So geht der Trend zum Zweit- oder sogar Dritthund. Doch viele ahnen nicht, was damit auf sie zukommt und sind mit der Haltung schnell überfordert.

Dem Vorhaben, einen zweiten Hund in die Familie zu holen, geht oft der Irrtum voraus, dass sich der eigene Vierbeiner über einen Artgenossen freuen würde. Dabei gehören Hunde nicht zu den Tierarten, die unbedingt mit ihresgleichen zusammenleben müssen, weiß Nadja Kutscher: "Hunde sind domestizierte Tiere, die stark auf den Menschen fokussiert sind. Deshalb stört es sie oft auch nicht, wenn sie allein gehalten werden", sagt die Mitarbeiterin der Tierrechtsorganisation PETA in Gerlingen (Baden-Württemberg).

Hunde können außerdem schnell eifersüchtig auf andere werden. "Dabei hat die Eifersucht nichts mit der von uns Menschen zu tun", sagt Henriette Mackensen von der Akademie für Tierschutz in Neubiberg bei München. "Ihnen geht es darum, ihre Ressourcen zu sichern - das Futter oder den angestammten Rang in der Familie." Ausgelöst werde die Eifersucht durch Verlustängste, die bei einem Hund entstehen können, wenn ein Artgenosse neu in die Gemeinschaft kommt.

"Jedoch ist und bleibt der Hund ein Rudeltier, das sich über den Kontakt zu anderen Hunden freut, mit denen er toben, kuscheln, spielen und 'sprechen' kann", sagt Nadja Kutscher. Dafür müsse das Tier aber nicht unbedingt mit ihnen zusammenleben, meint auch Katrin Umlauf vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. "Trifft er seine Artgenossen beim Gassi gehen oder auf dem Hundesportplatz, wird er auch zufrieden sein."

Wer sich einen zweiten Hund zulegen möchte, sollte sich vorher überlegen, was damit alles auf ihn zukommt. "Wichtig ist, ob der Ersthund überhaupt für die Rudelhaltung geeignet ist", sagt Katrin Umlauf. Ist er sozialisiert aufgewachsen und kommt er gut mit Artgenossen aus, wenn sie im Haus sind? "Das Verhalten eines Hundes zu anderen ist im Haus noch mal ganz anders als draußen. Nur, weil der Vierbeiner beim Gassi gehen offen auf seine Artgenossen zugeht, heißt das noch lange nicht, dass er sie in den eigenen vier Wänden akzeptiert", warnt die Expertin.

Die Halter sollten sich außerdem darüber im Klaren sein, dass zwei Hunde nicht einfacher zu handhaben sind als einer, sagt Katrin Umlauf. Ihrer Ansicht nach eignen sich Zweithunde nur für Halter, die sich mit den Tieren sehr gut auskennen. "Wer den ganzen Tag im Büro sitzt und ein schlechtes Gewissen hat, weil sein Hund dann allein zu Hause ist, wird ihm mit einem zweiten keinen Gefallen tun. Hunde können auch gemeinsam leiden", so Umlauf.

Viele machen sich anfangs vor allem über die Konstellation Gedanken: Klein zu groß? Jung zu alt? Schüchtern zu draufgängerisch? Sicher sei es in vielen Fällen einfacher, einen Welpen zu einem ausgewachsenen Hund zu vergesellschaften, sagt Nadja Kutscher. Rüde und Hündin verstehen sich oftmals besser als zwei Rüden. "Pauschal kann man jedoch zu keiner festen Konstellation raten. Wie gut sich die Tiere verstehen, hängt ganz von ihrem Charakter ab."

Den richtigen Zeitpunkt für einen Zweithund gibt es nicht, glaubt die Tierschützerin. "Voraussetzung ist, dass die Chemie zwischen den Tieren stimmt. Hunden, die sehr ängstlich oder zurückgezogen sind, kann ein Artgenosse mit starkem Selbstbewusstsein als Stütze dienen", so Kutscher. Jedoch sollte man darauf achten, dass der schüchterne Part nicht unterdrückt wird.

Oft machen Halter den Fehler, dem Neuankömmling mehr Aufmerksamkeit zu widmen als dem Ersthund. Dabei sollte es genau umgekehrt sein. "Der alteingesessene Hund muss immer wissen, dass der Neue keine Gefahr für seinen Status in der Familie ist. Nur, wenn er keine Angst um seine Ressourcen haben muss, wird er wahrscheinlich nicht eifersüchtig sein", sagt Henriette Mackensen.

Wichtig sei, so Katrin Umlauf, dass Hundehalter das Verhalten der Tiere genau beobachten. "Auch wenn sich beide anfangs nicht gleich anbellen oder beißen, kann es trotzdem nicht passen." Konflikte könnten sich auch langsam entwickeln, ohne dass es sofort knallt. Umgekehrt können Hunde, die sich anfangs sehr reserviert einander gegenüber verhalten, später die besten Freunde werden.

Die Expertin vom Deutschen Tierschutzbund rät allen Hundehaltern, die sich einen Zweithund zulegen wollen, beide Tiere erstmal auf neutralem Boden zusammenzuführen. Geht man mit ihnen öfter mal spazieren, wird sich bald zeigen, ob sich beide gut verstehen. Bei richtiger Vorbereitung steht einem harmonischen Zusammenleben nichts mehr im Wege. Wer einen zweiten Hund bei sich aufnehmen möchte, sollte anstatt zum Züchter lieber ins Tierheim gehen. Dort können Halter in "Schnupperstunden" testen, ob die Chemie zwischen den Tieren stimmt, rät Nadja Kutscher. zurück

© APA
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