Der Rhododendron ist ein Multitalent

News vom Donnerstag, 16. Feber 2012
Der Rhododendron ist ein Multitalent

Ihren großen Auftritt haben Rhododendren eigentlich erst im Mai und Juni. Doch schon im Frühjahr zeigen erste Sorten ihre Blütenpracht.

Wenn mit der Frühlingssonne die ersten Rhododendren ihre Blüten öffnen, beginnt in den halbschattigen Bereichen des Gartens ein farbenfrohes Spektakel. Rosa, Pink, Rot, Orange, Weiß, Gelb und Lila leuchten die großen, halbkugeligen Trauben, die sich aus glocken- bis trompetenförmigen Einzelblüten zusammensetzen. Der Vorfrühlings-Rhododendron (Rhododendron praecox) ist einer der ersten, der so seine Farbe zwischen den sonst noch kahlen Sträuchern zeigt, andere Rhododendron-Sorten warten damit bis in den Juni hinein.

"Es gibt über 1.000 verschiedene Arten", sagt Björn Ehsen, Gärtnerischer Leiter im Park der Gärten in Bad Zwischenahn (Niedersachsen). In den Alpen kennt man Alpenrosen, Rhododendron hirsutum und ferrugineum. "Diese beiden Arten sind gärtnerisch uninteressant", erläutert Ehsen. "Die im Garten verwendeten Rhododendron sind in der Regel Hybriden und stammen von Arten ab, die in Asien und Nordamerika beheimatet sind."

Das meist immergrüne Blütengehölz gelangte erst spät nach Europa. "Die ersten Einführungen von Rhododendron liegen 200 Jahre zurück", sagt Hartwig Schepker, Wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens und Rhododendron-Parks Bremen. "Mit den von Sir Joseph Hooker Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführten Arten aus Sikkim, einem nordindischen Staat, begann in Großbritannien eine wahre Rhododendron-Manie, die später nach Deutschland überschwappte."

Die Freude der Gärtner an den Sträuchern liegt nicht nur an deren schönen Blüten. "Rhododendren übernehmen eine Vielzahl von gestalterischen Funktionen", sagt Ehsen. "Es sind wichtige Gerüst- und Strukturbildner, die man nicht nur einzeln, sondern auch in Gruppen oder als Hecken pflanzen kann." Darüber hinaus kommen klein bleibende und schwachwüchsige Sorten in Kübeln und Töpfen zurecht.

Nach ihren Wuchs- und Blüheigenschaften werden die Hybriden der Rhododendren in sieben verschiedene Gruppen eingeteilt. "Große Blüten, immergrünes Laub und Wuchshöhen zwischen ein und vier Metern Höhe sind typisch für die Großblumigen Hybriden", erläutert Hartwig Schepker. Sie seien vor allem für große Gärten geeignet.

"Ideal für den kleineren Hausgarten sind die Yakushimanum-Hybriden", sagt Björn Ehsen. Typisch sei ein ballförmiger, kompakter Wuchs, man erkenne sie auch leicht an dem silbrig-filzigen Neuaustrieb. Die Sorten blühen schon in frühen Jahren reich. "Bei ausreichender Bodenfeuchte vertragen sie vollsonnige Standorte", ergänzt Schepker.

Typisch für die Williamsianum-Hybriden sind glockenförmige Blüten. Die Kleinblumigen Hybriden eignen sich für sonnige Standorte, an denen sie zwar als schwachwüchsig gelten, aber reich blühen. Die klein bleibenden Repens-Hybriden haben auffällige rote Blüten. "Japanische Azaleen wachsen kompakt und sind wintergrün - das heißt, sie werfen ihre Blätter erst im oder nach dem Winter ab", sagt Ehsen. Sie haben intensive Blütenfarben.

Die siebte Gruppe bilden die Sommergrünen Azaleen. "Die Sorten sind laubabwerfend und haben meist duftende Blüten", berichtet Schepker. Außerdem bereichern viele der Sorten den Garten, wo sie sonnig bis halbschattig stehen sollten, mit einer prächtigen Herbstfärbung. "In einer weiteren Gruppe werden die Wildformen, also die reinen Arten, zusammengefasst", ergänzt Ehsen. Sie seien aber mit Ausnahme der Pontischen Azalee (Rhododendron ponticum) nur in Spezialgärtnereien erhältlich.

Der Pflegeaufwand der langlebigen Gehölze ist gering. "Grundsätzlich ist eine gleichmäßig hohe Boden- und Luftfeuchtigkeit ideal für das Wachstum", sagt der Pflanzenökologe Schepker. Vor allem während der Blüte und dem Laubaustrieb sollten die flach wurzelnden Gehölze gut mit Wasser versorgt werden. Am besten gedeihen Rhododendren im lichten Halbschatten. Eine Ausnahme bilden Rhododendron-Yakushimanum-Hybriden, sie vertragen laut Ehsen auch sonnige Plätze.

Rhododendren sind jedoch anspruchsvoll, wenn es um den Boden geht. "Rhododendron wachsen auf einem humosen Boden mit einem möglichst sauren pH-Wert zwischen 4,5 und 5,5", sagt Ehsen. "Wenn dagegen der pH-Wert bei 6 bis 6,5 liegt, kann man auf die kalktoleranten Züchtungen der Inkarho-Rhododendron ausweichen." Diese Pflanzen wurden auf kalktoleranten Unterlagen veredelt.

Sind die Bedingungen für Rhododendren optimal, entfalten sich die Sträucher im Laufe der Jahre zu prachtvollen Sträuchern. Daher sollte man schon bei der Auswahl des Standortes bedenken, dass sie viel Platz brauchen. "In der Jugend kann man Bodendecker rund um die jungen Sträucher pflanzen, um den Platz nicht nur freizuhalten, sondern gestalterisch zu nutzen", empfiehlt Ehsen. Er rät zu Stauden wie Schaumblüte (Tiarella) und Golderdbeere (Waldsteinia), die zunächst eine geschlossene Pflanzendecke bilden und dann von den sich ausbreitenden Sträuchern verdrängt werden.

Rückschnitt nicht immer möglich

Sind die Rhododendren im Laufe der Jahre doch zu groß und üppig geworden, kann man sie zurückschneiden - aber nicht jeden Strauch. "Ein radikaler Rückschnitt ist abhängig von der Sorte und Vitalität des Rhododendron", sagt Björn Ehsen, Gärtnerischer Leiter im Park der Gärten in Bad Zwischenahn. Grundsätzlich vertragen einen Schnitt sogenannte stecklingsvermehrte Sorten wie 'Cunningham's White', 'Catawbiense Grandiflorum' und 'Roseum Elegans' - wenn diese Pflanzen nicht zu stark vergreist oder schlecht versorgt sind. "Veredelte Sorten nehmen einen Rückschnitt häufig übel", betont Ehsen. Ein guter Zeitpunkt für den Schnitt sei das Winterende, auch wenn man dabei die ersten Blüten wegschneidet.

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